Schon mal mit dem Fuß umgeknickt?

Gelenkkompression als Schutzmechanismus des Nervensystems

Im gesunden Zustand bewegen sich unsere Gelenke in einem ausgewogenen Zusammenspiel zwischen Kompression (Verdichtung der Gelenkflächen zueinander) und Dekompression (Entfernung der Gelenkhälften voneinander).

Nach Verletzungen, Traumata, einseitiger Haltung oder generell geringen Bewegungsamplituden (nur Teilbewegungen eines Gelenks) kann dieses Verhältnis aus dem Gleichgewicht geraten.

Diese Woche konnte ich 3 Menschen helfen, deren Knöchel in einem Bein für Stabilitätsverluste und somit Beschwerden in der Körpermitte verantwortlich waren.

Fast jeder Erwachsene ist seit seiner Kindheit mindestens einmal beim Spiel, Sport oder im Alltag umgeknickt. Der Knöchel (in diesem Fall das obere oder untere Sprunggelenk) ist nach so einem Ereignis einer kurz- oder längerfristigen Instabilität ausgesetzt.

Das Nervensystem kann diese Art von Bedrohung unter bestimmten Umständen „speichern“ und möchte uns vor schlimmeren Verletzungen schützen, sodass es einen Schutzmechanismus entwickelt, um das Gelenk und somit den Körper zu schützen. Die kurzfristige Strategie lautet: das Gelenk wird verdichtet (komprimiert).

Was ist allerdings, wenn diese temporäre Strategie nach Jahren immer noch präsent ist? Unser Organismus versucht, die Gefahren für weitere Schädigungen zu minimieren und hemmt dadurch die Versorgung zu wichtigen Muskeln.

Bei einem Klienten testete ich die Fähigkeit, im aufrechten Stand gegen einen seitlich einwirkenden Widerstand zu reagieren (Pertubation). Wir fanden heraus, dass eine Seite besonders gut reagieren konnte, in die andere Richtung konnte ich den Klienten mit nur zwei Fingern und leichtem Druck aus der Balance bringen.

Gezielte Funktionstests zeigten, dass mehrere der stabilisierenden Muskeln seiner rechten Körperhälfte eine sehr schwache Ansteuerung vom Gehirn hatten.

Wo lag das Problem? Ein Blick in die Verletzungsgeschichte verriet uns, dass sein linker Knöchel durch mehrfaches Umknicken vorbelastet ist. Sobald wir den Knöchel in Dekompression gebracht haben (Auseinanderziehen der Gelenkflächen), sprachen alle relevanten Muskeln der rechten Körperhälfte wieder an.

In jeder Situation, in der sein Körper das Gewicht auf dem linken Knöchel verlagert (bei jedem Schritt), wird ein Alarmsignal zum Nervensystem gesendet, dass die Leistungsfähigkeit reduziert.

Nach einer Korrektur dieses fehlerhaften Bewegungsmusters durch Neurokinetische Therapie, war der Klient in beide Richtungen stabil, der Rücken fühlte sich bedeutend besser an.

Damit die „neuen“ Bewegungen auch dauerhaft erhalten bleiben und das Nervensystem dem linken Knöchel wieder mehr vertraut, arbeitet der Klient in den nächsten Tagen mit gezielten Übungen am „Einspeichern“ des korrekten Bewegungsmusters, denn nachhaltige Veränderungen sind nur durch Training möglich.

Ein entscheidender Punkt ist, dass man diese Form von Kompensationsmuster nicht sieht. Manchmal ist eine Verlagerung auf einem Bein deutlich zu sehen, manchmal jedoch auch nicht, man muss es testen.

Wenn ein Gelenk dauerhaft in Kompression ist, erhöht sich der Verschleiß und somit die Wahrscheinlichkeit für arthrotische Veränderungen. Das Gelenk jedoch „pauschal“ nur auseinanderzuziehen, kann zu noch größerer Kompression führen, da die Stabilitätsverluste in der Körpermitte nicht verbessert wurden. Daher muss neben dem Problem auch die Ursache behandelt werden. Hier kommt Neurokinetische Therapie ins Spiel.

Mit besten Grüßen,

Daniel